Samstag, 27. Juni 2015

Marrakesch

Gestern waren wir in der wunderschönen Stadt Marrakesch. Wo soll man da anfangen zu berichten. Vorab müssen wir, nach so vielen Tagen in abgelegenen Orten und Landschaften zugeben, daß wir auf was ganz anderes vorbereitet waren. Wir sind dieses Mal mit dem Taxi in die Stadt rein, weil wir mal keinen Bock auf Verkehr und so hatten. Eine tolle Sache, besonders wenn der Taxifahrer einem das ein oder andere erzählen kann, weil er drei Jahre Englisch in der Schule hatte.

Wir haben uns zur Shell Tankstelle direkt am Djemaa el Fna bringen lassen, hier soll auch der Treffpunkt für unsere Abholung um 22:30 Uhr sein. Wir steigen aus dem Auto, und trotz das es schon 15:30 Uhr ist, fühlt es sich an wie ein Hammerschlag, denn die Hitze kommt so "unerwartet" und heftig auf uns nieder, das wir meinen wir kommen nicht klar. Also erstmal in den Schatten und die Lage sondieren.

Auf dem Platz Djemaa el Fna ist nicht viel los, und da es sowieso viel zu heiß ist, und ich auch gar keinen Bock auf die Schlangen habe :-), machen wir uns auf zu den Suqs, die im Norden des Platzes beginnen. Auf unserem Weg dorthin entdecken wir ein Café mit dem Schild vor der Tür, WIFI. Da es warm ist und wir auch etwas Hunger haben, nix wie rein, einen Platz suchen und erstmal Handy an und chillen. Wir sind ja immer noch dran die neue Navigations-APP herunterzuladen. Leider brachten uns die vergangenen 24 Stunden laut Anzeige nicht mal ein viertel. Nun sitzen wir in diesem Café, bekommen ne Orangina und einen alkoholfreien Mochito, und zack da steht auf der Anzeige, ein halb...hier bleiben wir. Zwei lecker Sandwich und ne weiteres Getränk später kann die neue APP geöffnet werden. Super.

Rein in die Suqs. Eine bunte Welt macht ihre Türen auf und wir dürfen für ein paar Stunden Teil davon sein. Herrlich. Teils überdacht, also schön schattig und angenehm kühl, laufen wir los. Nur so als Tipp, wer nicht all zu abenteuerlustig ist, nimmt sich sein Handy mit und zeichnet seinen Track den er gelaufen ist auf, um den Weg nach draußen zu finden. Ziemlich am Ende unserer Tour haben wir zwar entdeckt das es auch Wegweiser zu den größeren Plätzen gibt, aber wir sind auch so gut zurecht gekommen. Da muss jeder für sich wissen was ihm beliebt. Wir mussten herzhaft lachen als wir drei asiatische Touristen beobachten, die tatsächlich verzweifelt versuchten auf einem Faltstadtplan ihre Position zu finden. Undenkbar bei dem Gewirr aus kleinen Gängen und Gassen.

So was gibt es zu sehen... Schuhe, Lederwaren, Taschen, Schmuck, Teppiche, jede Art von Anziehsachen, da hängen auch die BHs neben den traditionellen Gebetsgewändern, Gewürze, Oliven, Süßes, Tücher, Lampen, Geschirr, Haushaltswaren, suspekte "Arzneimittel", Pülverchen und und und... jeder kann finden was er sucht oder eben nicht sucht. Oftmals werden die Sachen hier in den Werkstätten gefertigt, die sich zwischen den Läden befinden. Leider sieht man aber auch all zu oft ein verhasstes Chinalabel auf den Sachen pranken. Man sollte eben schauen wofür man sein Geld ausgibt.

Die vielen Farben, Gerüche und Koriositäten in den Gängen hinter und neben den Gängen machen einfach nur Spaß. So ergatter ich ein Tuch und eine Hose, und finde das ich einen guten Preis bekommen hab. Bei beidem die Hälfte vom geforderten Preis. Aber man muß hart sein und bleiben, sonst ziehen die Jungs dich hier voll ab. Mir hat's total Spaß gemacht.

An manchen Stellen sind die Verkäufer aufdringlicher als an anderen Stellen. Man wird natürlich fast überall nett heran gebeten, den Laden mal anzusehen. Wenn man allerdings nett und freundlich abwinkt und danke sagt, wird man schnell in Ruhe gelassen und darf seines Weges gehen. Die Jungs haben eine Menge Spaß daran wenn sie merken das man deutsch spricht. Dann kann es vorkommen das ein "Herzlich Willkommen" oder "Was gehts ab" hinter dir her gerufen wird. Insgesamt fanden wir es sehr angenehm und ruhig, vielleicht auch, weil ja Ramadan ist. In vielen Ecken haben wir müde und schlafende Marokkaner gesehen, die sich wohl ausruhen müssen um die Zeit bis zum Essen am Abend zu überstehen.

Immer wieder kreuzen Mofas, Roller und Fahrräder unseren Weg und der Geruch von verbranntem Super ist allgegenwärtig. An mancher Stelle muss man ganz schön schauen, dass man nicht unter die Räder kommt. Hier sind nämlich alle ganz schön fix unterwegs, egal wie eng die Gasse auch sein mag. Auch mehrere große Lastenkarren, geschoben von immer nur einem Mann, bahnen sich ihren Weg. Vollbeladen und auch leer ziehen sie an uns vorbei. Es ist insgesamt recht sauber und was wirklich mal erfreulich ist, wenige Hunde und Katzen die in den Ecken lungern. An vielen Ständen, Shops, wie auch immer man es nennen mag, stehen große Schilder mit, "bitte keine Fotos". Das ist schade, denn das alles hier möchte man so gern auf dem Bild mitnehmen.




Der alte Mann... So gehen wir an einer kleinen, winzig kleinen "Werkstatt" ( eher ein Verschlag, eine der beiden Türen halb geschlossen) vorbei und drin hockt ein alter, wirklich alter Mann. Er hockt auf dem Boden inmitten von Lederhaufen und klopft auf einer Schablone das Leder glatt. Ich halte kurz inne und er bemerkt das ich ihn ansehe, es sind nur 5 Sekunden, die sich unsere Blicke kreuzen. Er hat das traditionelle Gebetsgewand an und ein Tuch um den Kopf gebunden. Aus seinem faltigen Gesicht schauen mich zwei liebevolle Augen an und ich lächle ihn nur kurz an. Ich weiß das sollte ich nicht tun hier in Marokko. Aber es ist dieser Moment, er lächelt zurück und führt seine rechte Hand an seine Schläfe um mich zu grüßen. Ich freue mich so sehr, dass ich verlegen schnell weiter gehe...Gern hätte ich mich zu ihm gehockt und verstanden was er da tut, und mir erklären lassen was seine Arbeit ist, aber ich denke das war Begegnung genug...

Der Eierverkäufer... So kommt jemand mit seiner Mofa oder dem Roller angefahren. Hinten auf dem Gepäckträger ist ein Karton geschnallt, wild mit ganz vielen Schnüren befestigt. Man sieht nur Stroh. Der Eierverkäufer fängt an zu wühlen, bis er die Anzahl der Eier hat, die sein Käufer grade bestellt hat. Eine gute Idee, denn das Stroh ist ein genauso guter Schutz wie so manche Eierpappe bei uns. Leider hatte er auch ein paar Küken zum Verkauf dabei und die wurden in Plastikbeuteln verkauft, lebend natürlich...

Die Werkstatt... Auf unserem Weg durch die Suqs kommen wir an einer größeren Werkstatt vorbei. Ich denke mal 7 junge Männer waren dort am arbeiten. Die Aufgabe bestand darin, Leder in Form zu pressen, dann per Schablone zu verzieren ( auch mittels Presse), um dann die vielen Einzelteile zusammen zu nähen. Das hat jemand ober auf einen Zwischenboden gemacht, über dessen Statik ich nicht näher nachdenken möchte, denn der Boden hing ganz schön durch. Die Jungs auf jeden Fall waren tüchtig am lachen und scherzen, und schienen Spaß bei der Arbeit zu haben. Wir standen interessiert vor der Tür und schauten zu. Ich hatte ruckzuck ein Stück Leder in der Hand und Andreas wurde herein gebeten sich alles anzuschauen. Ein Balanceakt denn alles lag voll mit Leder und wir wollten ja nichts kaputt machen. Wir haben ein wenig miteinander gescherzt und gelacht, um dann unseres Weges zu ziehen.

Wir verabschieden uns aus den Suqs und kommen auf den Platz Djemaa el Fna zurück, wo wir eine Pause beim Tee trinken machen. Wir beobachten das Treiben vor unseren Augen. Akrobaten bringen wilde Stunts, ständig kommt ein Zigarettenverkäufer oder Schuhputzer vorbei, gefolgt von einem Uhren- oder Handyverkäufer. Auch die Touristen sind wirklich der Hammer. Ich renn hier mit langer Hose und langärmligen Oberteil rum und schwitze mir einen ab. Die meisten Touristen hingegen sind völlig ungehemmt in sehr knappen Klamotten unterwegs und machen sich scheinst keine Gedanken. Allerdings sind die vielen Touristen eine willkommene Abwechslung für uns, denn manchmal fragen wir uns ob nur wir so doof waren während Ramadan in dieses Land zu reisen.

Während des Nachmittagsgebets in der Moschee direkt neben unserem Café, ist es in der Moschee wieder mal ziemlich voll. So ist es nicht ungewöhnlich das auch vor der offenen Tür der Gebetsteppich ausgerollt wird. Ein Tuc-Tuc Fahrer hat es scheinst ganz eilig und fährt mit seinem Gefährt einfach an die Reihe betender Männer ran, bleibt sitzen und verbeugt sich im Takt des Singsangs mit den anderen auf seinem Fahrersitz.

Wir beenden unsere Pause und ziehen weiter. Ein Orangensaftverkäufer jagt hier den nächsten, jeder Stand sieht gleich aus, und das Glas kostet nur 40 Cent. Wer denkt das alles hier hat keine Ordnung, der irrt, jeder Wagen, jeder Stand und Shop hat eine Nummer und steht da wo er stehen soll. Auch in den Suqs hat jeder eine Hausnummer, und es gibt eine gerade und eine ungerade Seite.

Wir wollen unbedingt um viertel vor acht, also Fastenbrechen, auf irgend einer Dachteerasse sitzen und den Platz von oben beobachten. Aus den Reiseführern wussten wir schon das wir für einen guten Blick auch etwas verzehren müssen. Kein Problem, bei noch immer gefühlten 30 Grad macht mir ne kalte Fanta nix aus. Mit Blick auf den Platz und der unter gehenden Sonne wird es hektisch da unten. Alle sind fix unterwegs und wollen scheinst schnell nach Hause. Unsere Kellner hier ober haben sich ihr Mahl schon bereitet. Zum Einstieg gibt es Harira, frische Fruchtsäfte und Feigen. Alles liebevoll auf einem Tisch angerichtet und für jeden vier Gläser. Mit dem ersten Singsang sitzen sie alle zusammen und genießen das erste Mal an diesem Tag etwas zum essen, bzw. zum trinken. Unten auf dem Platz wird es etwas ruhiger, manche haben sich an den Ständen der aufgebauten Garküchen eingefunden um etwas zu essen. Die Schlangenbeschwörer, Affendompteure, Gaukler und Hennamalerinen sitzen in kleinen Gruppen zusammen und packen aus was sie für diesen Moment mitgebracht haben. Mit dem schwindendem Licht machen auch wir uns auf den Weg, um etwas bei den Garküchen zu essen.



Das ist ein großer Spaß kann ich euch sagen. Die Garküchen stehen in langen Reihen nebeneinander. Jeder hat seine Nummer :-). Hinten sind "Auslagen" aufgebaut, wo das Essen liegt, welches du wählen kannst, dahinter Töpfe, an denen gekocht wird, vor den Auslagen stehen Bänke und Tische an denen die Gäste sitzen, vor den Ständen stehen Jungs, die dir mit der Speisekarte im Gesicht herumfuchteln und dich bitten Platz zu nehmen. Bei den ersten drei Ständen denkst du, naja gut die buhlen um dich, nette Show. Irgendwann, denn sie lassen dich teilweise nicht wirklich vorbei, brechen wir vor Lachen aus und können nicht mehr.

Die Sätze... "Bei mir günstiger als bei Aldi" "Sauerkraut mit Haxe" "Oktoberfest" "Kein Cholesterin" "2 Jahre Garantie" "Getränke gratis" "Eating from 37 brings you to haven" " Same shit everywhere, but my shit is the best" und "You look so skinny"

werden uns um die Ohren geschleudert und wir denken was is hier denn los. Wir müssen lachen und lachen. Mittendrin gibt es einen Stand der richtig Alarm macht, da fängt nämlich die gesamte Truppe hinter den Töpfen an zu singen und zu klatschen wenn ein Gast nicht bleiben möchte. Wir drehen aber erstmal eine Rund und nehmen das Spektakel in uns auf, bis wir uns einen Stand aussuchen an dem wir was essen. Wir wählen Lammspieße, gegrilltes Gemüse, frische Pommes, kalte Suppe und Fisch. Alles super lecker bis auf den Fisch, der bestand nur aus Panade. Der Rest saulecker und siehe da, nicht ich mit einem empfindlichen Magen, sondern Andreas, mein Allesesser hatte am nächsten Tage etwas Probleme und war zweimal öfter zum WC.



Lustig ist das scheinst jede Garküche eine Sache kocht und man sich, je nach Bestellung des Gastes, untereinander aushilft. So habe ich den kleinen Jungen, der bei uns serviert hat, beobachtet wie er mit zwei Getränken weg lief und mit zwei anderen, die wir bestellt haben wieder kam. Pommes macht nur der dritte von links und das gegrillte Gemüse kommt vom Stand aus der zweiten Reihe ganz hinten am Ende. So laufen sie alle hin und her uns schaffen ran was man bestellt hat. Egal, uns schmeckt es und wir wissen das das alles hier nur noch ein reines Touristending ist und die Jungs das machen um uns zu belustigen, aber uns hat es trotzdem gefallen.

Wie wir vor ein paar Tagen erfahren haben ist es Ehrensache zu Ramadan, den Armen etwas zum essen zu schenken. So kommen von überall bettelarme Menschen aus den Ecken der Stadt und bekommen von den Ständen und umher fahrenden Gebäckverkäufern etwas geschenkt.

Die Gebäckverkäufer düsen hier alle naselang an uns vorbei. Der Zucker tropft nur so die Speichen runter. Oh man sieht das süß und lecker aus. Wenn man das Angebot etwas zu kaufen dankend ablehnt, dann heißt es jedes dritte Mal..."maybe later or tomorrow?" Mit einem Lächeln auf dem Gesicht ziehen sie weiter und eine Ecke später steht der Selbe wieder vor dir und er weiß genau wer du bist und es geht von vorne los.

Ein kleines freches Mädchen ist mir in Erinnerung geblieben. Die meisten Kinder bieten dir eine Packung Taschentücher an, die du kaufen sollst. Sie kommt einfach an und fragt ob wir ihr einen Dirham geben können. Ich schau sie an und sage nein. Sie tänzelt von einem Fuß auf den nächsten und fragt wieder und wieder. Irgendwann klatschen sie und ich einander ab und müssen lachen, sie tippt auf meine Bauch und fragt ob da ein Baby drin ist. Ich bin baff, so hatte ich doch die letzten Tage das Gefühl ich hätte aufgrund des eher kläglich Essens etwas abgenommen. Naja. Sie zieht von dannen und etwas später steht sie wieder da und fragt ob sie den Rest von unserer Cola haben darf. Na Klar und zack ist sie im Gewirr der Menge verschwunden.

Wir haben von unserem Taxifahrer den Tipp bekommen, uns um 22 Uhr an der Kutubiya-Moschee einzufinden. Leider müssen wir auf unserem Weg dort hin an den vielen Pferdekutschen für Touristen vorbei. Dort stinkt es so bestialisch nach Pferdeäpfeln, unglaublich. Wir sind beide nicht übermäßig empfindlich, aber das übersteigt sogar unsere Schwelle des Ertragbaren. Naja auch die 300 Meter sind irgendwann überwunden und der Gestank verblasst. Wir kommen auf eine große Kreuzung zu und suchen uns einen Platz an einem Geländer vom Bürgersteig. Der gesamte Verkehr vor der Kreuzung wird umgeleitet. Um die Moschee herum auf der Straße stehen Männer die die Fußgänger umleiten, um, und deshalb sind wir gekommen, die vielen Hundert Betenden nicht zu stören. Der laute Singsang des Muezzin hallt über den Platz und man bekommt Gänsehaut. Wie auf Kommando knien alle nieder, gehen zu Boden und kommen wieder hoch. Alle die mit Mofas und Rollern vorbei kommen, laufen und schieben, denn es ist selbstverständlich hier nicht mit einem laut knatternden Gefährt vorbei zu fahren.

Wir beobachten noch zwei Kinder die einen Passanten im vorbeigehen nach seiner angefangenen Wasserflasche fragen. Er nimmt noch einen Schluck und gibt die Flasche dann weiter. Die beiden trinken hastig und freuen sich, da kommt noch jemand den sie offensichtlich flüchtig kennen und auch ihm wird die Flasche gereicht. Etwas trinken zu dürfen bekommt hier eine ganz andere Bedeutung.

Leider ist unser Besuch in Marrakesch nun vorbei, aber ich hätte viel Lust noch einmal wieder zu kommen, denn es waren schöne Stunden die wir hier verbringen durften. Wir haben ja bei weiten nicht viel gesehen, aber das hat ausgereicht um sagen zu können, schön, wirklich schön! Bis bald!

Dies ist übrigens unser neuer Haus und Hof und Hüte Hund. Sie ist mal da und mal nicht, als die Katzen in der Nacht unseren Müllsack überall verteilt haben war sie nicht da. Wir nennen sie Tanni und manchmal hört sie sogar drauf. Leider gehört sie hier zum Hotel wo wir campen und wir können sie nicht entführen um ihr Afrika zu zeigen.

Kommentare:

  1. awwww ist die süß ;) vielleicht verkauft der hotelier sie ja für ein paar dirham? bittebittebittebittebitte

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  2. Man merkt, dass Ihr in der arabischen Welt angekommen seid, wunderschön erzählt und Bilder wie aus tausenduneiner Nacht. Danke!

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