Samstag, 29. August 2015

Besuch aus Vlotho

Unser Besuch im Dorf Loumbila steht an und wir sind schon etwas aufgeregt. OK, worum geht es hier? Das müssen wir euch erstmal erklären. Wir haben uns vor unserer Reise tüchtig Gedanken gemacht, ob wir unterwegs etwas "Gutes" tun wollen oder ob diese Reise für etwas gut sein könnte. Es hat etwas gedauert bis Andreas und Esther darauf gekommen sind, dass die alljährliche Tannenbaumsammelaktion in Vlotho die Idee sein könnte. Nicht das wir überlegt haben im Januar einzufliegen, um mit zu sammeln, nein wir haben erfahren, dass die dabei eingesammelten Spenden nach Burkina Faso zu einem Schulprojekt gehen und da dachten wir uns, das ist eine schöne Sache dort mal auf Besuch vorbeizuschauen. Also haben wir über einige kleine Umwege von Frau Schütte (DRK), die Kontaktdaten von Herr Zoungrana bekommen, der hier vor Ort das Projekt leitet und die Gelder verteilt. Er hat sich sofort gefreut das Besuch aus Vlotho kommen will und uns hier in Ouagadougou sehr freundlich begrüßt. Wir haben uns dann für den 18.08.2015 verabredet, zusammen das Dorf Loumbila zu besuchen. Was uns dort erwartet hat, war fast unbeschreiblich.

Wir sind ca. 30 Minuten aus Ouagadougou raus gefahren und als sich die Autotür in Loumbila öffnete, kam uns schon leiser Singsang entgegen. Das Dorf Loumbila ist einfach. Keiner hier hat viel und "Armut" ist allgegenwärtig. Die Männer des Dorfes emfangen uns freundlich und wir werden in einen Innenhof gebeten. Der Singsang wird lauter und wir kommen zu einem überdachten Besprechungs- und Treffpunkt. Die Frauen und Mädchen machen Musik auf Trommeln und mit Rasseln, sie tanzen miteinander und klatschen im Takt. Sie fordern sich gegenseitig auf, in die Mitte der Umstehenden zu kommen, um miteinander zu tanzen. Rhythmisch wird im Kreis getanzt, immer zu zweit, um dann im Takt den Po aneinander zu kicken und mit den Füßen aufzustampfen. Ich muss zugeben ich bin zu Tränen gerührt, alles wegen uns. Auch Andreas ist etwas hilflos und da ich nicht weiß, wie man in dieser Kultur mit weinen umgeht, versuche ich mir die Tränen zu verdrücken, was natürlich so gut wie unmöglich ist.



Der Begrüßungstanz endet, alle nehmen Platz und wir bekommen neben Louis Zoungrana und dem Fahrer Koada, der zum übersetzen mitgekommen ist, zwei Stühle und sitzen wie König und Königin vorn vor der Menge von Menschen die extra für uns zusammen gekommen sind. Oh man. Louis stellt uns vor und wir werden von einem Sprechchor auf Moore, die Sprache dieser Region, begrüßt.



Nach und nach werden wir von verschieden Eltern persönlich begrüßt und man dankt uns, dass wir den weiten Weg gekommen sind. Ein ganz großes Dankeschön sollen wir aber nach Vlotho schicken. Danke für die großzügigen Spenden und die damit verbundene Möglichkeit für die Kinder, in die Schule zu gehen. Da in der Schule nicht nur Französisch sondern auch Englisch und Deutsch unterrichtet wird, stehen sogar zwei ganz mutige Kinder vorn und danken auf deutsch. Hier seht ihr einen der Väter:



Louis hat die Zeugnisse mitgebracht, die Kinder werden einzeln aufgerufen und sie müssen aufstehn, die Noten werden verlesen. Die Beste von allen erhält etwas später noch ein kleines Taschengeld extra, wegen der sehr guten Leistungen. Anders als bei uns, stehen nicht nur die Fächer und die jeweilige Note, sondern auch wieviel das Schuljahr gekostet hat, auf dem Zeugnis. Die Spendengelder dienen aber nicht nur als Schulgeld, sondern auch als "Taschengeld". Jedes Kind erhält alle 3 Monate 12000 CFA, das entspricht ungefähr 20 Euro. Dieses Geld ist für Essen und Kleidung gedacht. Wir werden Zeugen wie das Spendengeld bei Menschen ankommt, die es wirklich brauchen. Jedes Kind wird aufgerufen und muss in zwei Listen den Erhalt des Geldes unterschreiben. Was dabei auffällt ist, dass viele kurzsichtig zu sein scheinen, und leider trägt niemand eine Brille. Da sieben Kinder heute nicht da sind, kommen deren Eltern stellvertretend nach vorn. Die Eltern können alle nicht schreiben, also geben sie mittels Stempelkissen einen roten Fingerabdruck ab.



Während die Unterschriften gesammelt werden, kommt jemand zu uns an den Tisch und reicht uns etwas zum Essen. Man hat extra Ziegenfleisch für uns gebraten und es wird auf kleinen Stöckchen serviert. Ein scharfes Pulver kann zum dippen genommen werden, aber das probiert nur Andreas. Mir schmeckt die Ziege auch so.



So nun ist der offizielle Teil beendet und auch wir haben eine Kleinigkeit mitgebracht. Allerdings ist mir unser Geschenk, angesichts dieses riesen Empfangs etwas peinlich. Wir haben schon von Deutschland aus angekündigt, dass wir aufgrund unseres Platzmangels nicht großartig etwas mitbringen können. Nun stehen wir hier mit einer Box voller Stifte und einem großen Glas Bonbons. Naja. Die Stifte gehen in die Schule und ich dreh eine Runde mit den Bonbons durch die Menge.



Während wir da so sitzen, denke ich so manches Mal, alle hier glauben dass wir die Mitverantwortlichen dieses Projekts sind und ich finde, dass unser Besuch viel zu viel Aufmerksamkeit bekommt. So war das alles gar nicht gedacht. Dann aber sehe ich wieviele freudige Gesichter mich ansehen und so komme ich zu dem Entschluss, dass es doch egal ist wer hier aus Vlotho sitzt. So hat die Stadt für die Menschen hier ein Gesicht und alle freuen sich uns zu sehen und begrüßen zu dürfen. Einem Gast wird in Deutschland nirgendwo so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie hier gerade, wir sind dankbar dafür das wir das erleben dürfen.



Ich frage höflich und vorsichtig ob ich durch die Reihen gehen darf, um noch ein paar Fotos zu machen. Alle sind am kichern und finden es lustig dass ich ein Bild von ihnen mitnehmen möchte. Noch größer ist die Freude allerdings als sie ihr eigenes Bild auf dem Display sehen. Uhi.



Unser Besuch endet mit erneuten Danksagungen und die Musik, der Gesang und die rhythmischen Bewegungen begleiten und verabschieden uns hinaus. Ich komme nicht drum rum und werde gebeten mit zu tanzen. Oh je sieht das doof aus sag ich euch, dafür fehlt mir einfach mal ein bissi Hintern ;-) Andreas ziehrt sich als Louis versucht ihn in die Mitte zu holen. Er meint "I'm not good at dancing." Alle sind am lachen und so verlassen wir diesen herzlichen Ort und die Musik verstummt erst als wir auf der Straße stehen. Sooooo schön war es, so schön!
Draußen verabschieden wir uns von allen Männern und von dem Mann am Grill, der die Ziege für uns zubereitet hat. Wir fahren ab und sind fix und fertig.



Ganz liebe Grüße nach Vlotho an alle die jedes Jahr so fleißig spenden. Von allen hier sollen wir DANKE sagen.



Wir fahren 2 km weiter und besuchen die Schule, wo die Kinder hin gehen. Mehrere Gebäude und eine Küche, hier wird allerdings nicht jeden Tag gekocht, nur wenn etwas Geld übrig ist. Die Klassen sehen einfach aus, haben aber alles was man zum lernen braucht. Auch gibt es draußen unter Bäumen Tafeln, wo unterrichtet werden kann. Die Kinder fahren mit dem Fahrrad zur Schule und ein Lehrer unterrichtet hier 120 Kinder. Der Schulhof ist groß und weitläufig, es gibt Sanitäranlagen und viele Bäume. Zur Zeit sind Regenzeit-ferien, alle müssen bei der Feldarbeit helfen und so ist die Schule leider geschlossen.



Wir fahren in das Dorf Ziniaré und erfahren erst kurz vor der Ankunft wo es hingeht. Zum Ķönig von dieser Region. Oh ja super, keiner von uns beiden weiß was man da zu beachten hat. Oh oh mal sehen ob so ein Besuch beim König gut geht. Ein einfaches afrikanisches Haus, vorn eine Mühle zum Mehl mahlen, hier wird Mais verarbeitet.

Schon auf der Straße werden wir freundlich von einem älteren Mann begrüßt und herein gebeten. Wir sitzen im Kreis und seine Frau kommt zu uns, um uns Wasser zu reichen, ich denke mir sofort ok, nur nippen, nix trinken. Louis flüstert uns, dass es üblich ist das bevor man miteinander spricht, Wasser trinkt. Also exen alle ihre Becher und Andreas und ich gucken doof aus der Wäsche. Wir wollen nicht unhöflich sein, also Augen zu und durch, sauber sieht das Wasser aus, runter damit. Was wir nicht gesehen haben und erst später von Louis erfahren, er hat Andreas einen kleinen Fußtritt gegeben, damit er das Wasser nicht trinkt und mich unauffällig informiert. Unsere Mägen sind für das hiesige Wasser nicht gemacht, sagt er uns später und es wäre kein Problem gewesen nur zu nippen. Nun gut erstes Missgeschick. Wir gehen mit Louis nach einem Kurzen Gespräch wieder raus zum Auto und warten. Unser Fahrer hat ein Anliegen und muss dies unter vier Augen mit dem König besprechen. Auch gibt man wie in der Kirche eine kleine Spende an den König, wenn man zu Besuch kommt und so übergeben die beiden zu Beginn unseres Besuchs einen Umschlag. Das alles hier ist uns fremd und unbekannt, aber wir müssen auch nicht alles verstehen.

Wir denken nun gehts zurück nach Ouagadougou, nein wir fahren noch weiter nördlich und die beiden besuchen mit uns einen Granitskulpturengarten. Hier treffen sich alle paar Jahre Künstler aus aller Welt und kreieren in die hier umher liegenden Felsen wunderschöne Kunstwerke. Alles hier hat eine kleine Geschichte und der Guide der uns umherführt erklärt uns alles ganz genau. Hier kann man Stunden verbringen und sich an Fotomotiven nicht satt sehen.



Als wir in Ouagadougou ankommen ist es schon später Nachmittag und wir fallen über den Supermarkt her. Danke für den schönen Tag hier in Burkina Faso, dass war etwas ganz Besonderes für uns. Danke!!!

Kommentare:

  1. Tolle Aktion in Burkina Faso du hattest ja damals schon davon erzählt,aber bei den Bildern und deiner tollen Erzählung ist man auch selbst echt gerührt.Tolle Bilder auch von den Granitskulpturen

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    1. Oh danke. Ja wir sind so froh das das geklappt hat. Marita, ich freu mich jedesmal von dir zu lesen. So schön das du so nah an uns dran bist. Liebe Grüße nach Dissen

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  2. So nah und doch so weit bin begeistert von deiner Berichterstattung als wäre man mit dabei auch die tollen Bilder,schönes Wochenende Euch beiden

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  3. Was für ein tolles Erlebniss!
    Schöne Portraits dabei!
    Marita hat recht - Top Berichterstattung, Hut ab!
    LG

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  4. Einer der schönsten Berichte bisher (obwohl sie ja alle schön waren), aber dieser ist am intensivsten und einfach Afrika hautnah. Sicher ein tolles Erlebnis, dieses Land nicht nur touristisch zu erleben, sondern einen Einblick in das Alltagsleben in Burkina Faso zu bekommen.
    Liebe Grüße und ihr fehlt uns!
    Shirin

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